1. Entdeckerfreude!

Twitter ist ideal zum eintauchen, einleben, Freunde finden. Kritische Distanz ist hier nicht angebracht.

Zwei Vergleiche, um Twitter ein bisschen näher zu charakterisieren:

  1. Auf Facebook sind Ex-Schulkollegen. Auf Twitter die, mit denen man gerne in der Schule gewesen wäre.
  2. Twitter ist wie eine Cocktailparty. Ich stehe mal mit meinem Drink in der Hand dazu, höre ein bisschen mit, und wenn ich was zu sagen habe, werfe ich meine 140 Zeichen in die Debatte.
    Falls mich das Gespräch hingegen langweilt, gehe ich einfach zum nächsten Tischchen.

Das heisst am Anfang auch, einfach mal einigen Leuten, die spannend sein könnten, zu folgen. Nicht spamhaft viele, aber schon genug, um Diskussionen mitzukriegen.

Wie finde ich Leute zum Followen?

Es können sein: Menschen, die man von offline kennt, Mitbewerber aus der Branche, PolitikerInnen, AutorInnen aus dem eigenen wissenschaftlichen Bereich …

Im eigenen Interessensbereich kriegst du so schnell Diskussionen mit, an denen du dich beteiligen kannst.

Wenn du aktiv mit guten Beiträgen mitredest, wirst du gesehen und lädst andere dazu ein, dir zu folgen. Für Retweets danken oder auch mal für ein Follow schadet nicht – aber ja keine automatisierten Messages!

Zum sich einleben in Twitter gehört auch, den Twitter-“Slang” kennenzulernen. Ein Gespür dafür zu entwickeln, was in welchen Situationen wie getweetet und kommentiert wird. Zum Beispiel den Hashtag #followerpower oder Ausdrücke wie “XYZ. Kann ich.”

Photo by Tommaso Fornoni on Unsplash

2. Etwas zu verpassen, ist völlig okay

Es ist völlig okay, auf Twitter nur einen Einblick zu erhaschen und nicht immer die letzten 12 Stunden nachzuscrollen. Etwas zu verpassen, ist nicht schlimm. Wie an der Cocktail-Party halt.

Mach dir keinen Stress daraus, alles von allen lesen zu müssen.

Wenn eine Diskussion entsteht, an denen sich mehrere der Leute, denen ich folge, beteiligen, erscheint sie ohnehin immer wieder in meiner Timeline.

Beim Durchscrollen kommen dieselben Filter zum Einsatz wie im Alltag. Zum Beispiel, wenn ich durch den Zürcher Hauptbahnhof gehe: Augen offen haben, aber Belangloses und Uninteressantes ignorieren.

(Mir gefällt in diesem Zusammenhang der Hashtag #nachsichtgerät von Twitter-User @slartbart.)

Das ist mein wichtigster Twitter-Grundsatz. Follower kriegt man im realen Leben, ausserhalb von Twitter. Weil man etwas ist oder tut – nicht, weil man Follower sucht.

Organisier einen Event, triff andere Twitterer mal auf ein Bier, besuche Tweet-Ups. Wenn dich Begegnungen interessieren.

Oder unternimm etwas Kreatives: ein Tweet-Up auf dem Barfuss-Weg im Wald, ein Krimidinner für Theologen und Theologinnen, gründe ein spannendes Startup … wegen Menschen, nicht Zahlen!

Tweet-Ups und Anlässe sind immer wieder sehr interessante Begegnungen – manchmal mit Menschen, mit denen man sich sonst nicht treffen würde. Sie führen nebenbei zu Tweets von den Teilnehmenden, welche wiederum von deren Followern gesehen werden. Der Effekt multipliziert sich.

Die neuen Kontakte sind dann in der Regel Leute mit ähnlichen Interessen oder aus der gleichen Region.

Spannend zum Folgen wirst du erst, wenn du nicht nur auf Twitter rumsitzst, sondern das eigene Interessensgebiet auch offline pflegst. Damit kommen wir zu Punkt 4:

4. Profil zeigen und schärfen

Anonyme Linkschleuder-Accounts oder Accounts mit ausschliesslich abgehackten Facebook-Links sind ein No-Go. Such den Dialog, sei ein Mensch mit Profil!

Und wenn wir schon beim Profil sind: Zeig dein Gesicht erkennbar auf deinem Profil-Foto.

Erstaunlich, was das auslöst:

Ich hatte schon einige interessante Begegnungen, weil mich Leute wiederkannten: auf der Strasse, an Konzerten, im Zoo. Und sogar Diskussionen über Reisen mit Kindern und didaktische Methoden im Unterricht – halbnackt im Hallenbad (danke, Stefan) :) . Im Flugzeug in Lima (Peru) drehte sich Konrad um und fragte: “Seid ihr nicht Steinis?” (meine Frau Judith ist auch auf Twitter).

Beruflich hat es schon viele Begegnungen gegeben wegen Twitter, für die ich sehr dankbar bin. Zum Beispiel mit meinem Geschäftspartner (und internationalem Swing-DJ, das muss man erst hinkriegen) Chris.

So wirst du zum Experten:

Um zu einem bestimmten Thema gefunden zu werden, nutzt man Hashtags. Mit dem Hashtag #srfarena kannst du beispielsweise während einer Ausstrahlung der SRF-Sendung “Arena” mit unbekannten Menschen diskutieren.

Spannend ist auch, ein Thema zu setzen und zum Kuratoren oder zur Expertin zu werden. Das heisst: V.a. Artikel zum Thema zu re-tweeten (kuratieren) und eine eigene Einschätzung dazu zu schreiben.

Experte zu werden, bedeutet primär, Praxiswissen aufzubauen (nicht Diplome) und weiterzugeben.

Auch hier: Auf Twitter wird man nicht zum Experten. Man muss Dinge in der Praxis umsetzen, ständig lernen, und schlussendlich das Wissen vertieft weitergeben (z.B. mit Unterricht, Mentoring oder Fachartikeln).

Böse Zungen behaupten – natürlich laut auf Twitter – es gäbe sowas wie “Experten” gar nicht. Das ist recht typisch für den deutschsprachigen Raum. Man muss hier wieder seine körpereigenen Filter trainieren und destruktive Aussagen ignorieren versuchen.

Denn:

Es geht ja nicht um das Wort “Experte”, sondern darum, Wissen weiterzugeben, nützlich zu sein – und eine solche Haltung auch gegen den Wind zu leben.

Tools, um Artikel zu entdecken und zu teilen

Damit du interessante Artikel in deinem Fachbereich findest und einfach teilen kannst, gibt es einige hilfreiche, kostenlose Tools:

  1. Nuzzel: Dieser Dienst zeigt mir an, welche Online-Artikel in meinem Umfeld am meisten getweetet wurden.
  2. Feedly ist ein RSS-Reader. Das heisst, ich kann damit Websites und Blogs abonnieren und damit mir die neusten Artikel angezeigt werden, ohne, dass ich jede dieser Websites einzeln besuchen muss. Das hilft, das eigene Fachgebiet ausserhalb von Social Media zu vertiefen und vorne mit dabei zu sein.
  3. Ähnlich funktioniert Google Alerts, nur dass hier auch zu bestimmten Stichworten ein Such-Abo erstellt werden kann. Ich kann mir zum Beispiel die neusten News zu Tesla sofort per E-Mail schicken lassen, wenn sie bei Google auftauchen.
  4. Social-Media-Buttons auf Websites: Wenn ich auf einer Website einen interessanten Artikel lese und diesen teilen möchte, hat es meistens Buttons, über die dies direkt möglich ist, ohne den Link via Copy-Paste in der Twitter-App oder im Browser zu teilen.
  5. Ich nutze Buffer, um meine Blogposts auf Twitter (und LinkedIn, Facebook) zu planen. Buffer ist nützlich, um eigene Artikel gleich mehrmals zu unterschiedlichen Tageszeiten zu posten, ohne dies jedesmal von Hand tun zu müssen. Ich habe einen Buffer-Button im Browser installiert, mit dem ich Web-Inhalte ganz einfach auf meine verschiedenen Social Media Profile teilen kann. Oder ich stosse während einer Recherche gleich auf mehrere Artikel, dann kann ich diese etwas zeitversetzt mit Abstand tweeten.

5. (Bewegte) Bilder sagen mehr als Text

Twitter ist ursprünglich ein Textdienst. Aber wir sind visuelle Menschen. Twitter wurde mit der Zeit viel visueller. Ein reiner Texttweet geht schnell unter.

Mehr Aufmerksamkeit erhältst du mit Bildern, GIFs (seit kurzem stellt Twitter eine grosse Auswahl zur Verfügung) oder Videos. Was sehr gut funktioniert, sind Statistikbilder. Dort sind die Infos schon im Bild vorhanden.

Und was ich absolut betone:

Experimentiere unbedingt mit dem Format Video und Live-Video. Die Hürde ist etwas höher – aber genau darum geht es: Entdeckergeist und die Vergrösserung der Komfortzone :) Weil die Hürde grösser ist, ist das Spielfeld viel weniger “crowded”.

Noch ein Tool-Tipp:

Canva ist hervorragend, um selber schnell und einfach tolle Grafiken zu gestalten, beispielsweise Bilder für einen Blogpost-Titel, damit der Post mehr Aufmerksamkeit erhält als als blosser Link.

8. Der Trick mit dem Blockieren

Die Blockier-Funktion brauche ich fast nie. Sie ist aber mit einem Trick praktisch, um sich selber für gewisse Leute unsichtbar zu machen.

So funktioniert’s: Mühsame Follower kann man kurz blockieren und wieder ent-blockieren. Dann folgt einem diese Person nicht mehr.

Am liebsten habe ich eine leere Blockierliste. Womit wir zum letzten Tipp kommen:

9. Dazu sind Twitter-Listen nützlich

Listen sind nicht superwichtig, aber nützlich, um einen Überblick zu behalten. Es gibt private und öffentliche Listen. Fürs Management davon gibt es Tools, z.B. Tweetdeck.

Beispiele für nützliche Listen:

  1. Netzwerk-Management, z.B. (private oder öffentliche) Listen “Journalisten” oder “Politik”
  2. Liste z.B. für Tweet-Up in kleineren Rahmen. Wenn ich Leute einer öffentlichen Liste hinzufüge, werden sie informiert und können sich bei Interesse melden.
  3. “Probezeit” für Accounts, denen ich frisch folge
  4. Listen “getroffen”,mehrmals getroffen”, “würde ich gerne treffen”
  5. Listen, um Interesse an Zusammenarbeit abzuchecken

… und Moments?

Twitter “Moments” sind Stories aus ausgewählten Tweets. Also die Möglichkeit, aus einem persönlichen Blickwinkel eine Folge von Tweets zu kuratieren.

Ich habe dies zum Beispiel mal gemacht, um Impressionen von einem Workshop-Tag rückblickend zusammenzufassen: Siehe hier.

Moments haben sich bisher aber nicht durchgesetzt. Im deutschsprachigen Raum sind sie noch seltener anzutreffen als bei Twitterern aus den USA und England.

Deswegen zählen sie auch nur als halber Tipp in dieser Liste.

Wie geht’s jetzt weiter?

Was sind deine besten Tipps und Geschichten zu Twitter? Nutze die Kommentarfunktion oder tweete sie gleich als Antwort an @samsteiner.

Als Einsteiger hast du jetzt eine ganze Ladung Tipps gekriegt. Die Basics zum Anfang waren hier gar nicht dabei, doch ich habe sie in einem PDF zusammengestellt, als Direkt-Download mit einem Klick. Darin findest du “erste Schritte” komplett mit Übungen für deine ersten Twitter-Wochen, um dich zu vernetzen.

Und jetzt los, ab rüber zu Twitter!

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