Facebook kauft WhatsApp für 16 Milliarden USD (plus 3 Milliarden in den nächsten vier Jahren). Das sind über $35 (oder $42) pro Benutzer. Ein massiver Kaufpreis. Es steht im Raum: warum?

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Es geht nicht um direkte “Monetarisierung”

Facebook wird die total 19’000’000’000 USD nicht direkt mit Werbung einspielen wollen. Es geht um strategische Schachzüge – und um Daten. WhatsApp ist derzeit höchst profitabel.

Stand auf Mobile-Geräten festigen

Eines muss man ihnen lassen: sie haben die schwierige Aufgabe gemeistert, einen grossen Rückstand im Mobile-Bereich aufzuholen. In verhältnismässig kurzer Zeit. Der Kauf von Instagram (für 1 Milliarde) festigte die Mobile-Strategie. Nun kommen 450 Millionen Nutzer von WhatsApp dazu – viele davon natürlich schon Facebook und Instagram-Nutzer.

70% der WhatsApp-Nutzer verwenden den Dienst täglich – das sind 310 Millionen tägliche Nutzer (Instagram: gegen 100 Millionen). Es werden weltweit beinahe soviele WhatsApp-Nachrichten wie SMS versendet. Da kann man von Platzhirsch reden.

Daten nutzen für Facebook (EdgeRank)

Das Herz von Facebook sind die Filtermechanismen auf der Startseite, dem News-Feed. Hier hat Facebook Verbesserung dringend nötig. Die Filter-Funktionen ecken an – das darf nicht passieren. Irrelevante Werbung kommt dazu.

Die Daten von WhatsApp könnten wertvoll sein, um die Filterfunktionen der Facebook-Startseite entscheidend zu verbessern. Facebook liest aus, mit wem ich “whatsappe” und zeigt mir entsprechende Inhalte eher an – auch wenn ich nicht wie wild überall kommentiere oder like.

Den anderen eine Chance wegschnappen

Google kämpft mit allen Mitteln darum, die kritische Masse für ihr “Social Layer” Google+ zu erreichen. Integrierter Teil davon sind Google Hangouts (SMS, Instant Messaging, Videocalls).

Wenn Google die Nutzer von WhatsApp auf Hangouts hätte transferieren können, wäre ein weiterer grosser Schritt getan gewesen. Google war heute wohl über die News nicht überrascht – da ging sicherlich was hinter den Kulissen. Dies wird wohl auch einen Teil zum hohen Kaufpreis beigesteuert haben. Wie käme diese stolze Summe sonst zustande für einen Dienst, den alle hassen (weil unsicher, fehleranfällig, spyware) aber wegen der hohen Verbreitung trotzdem nutzen?

Wie sehr brauchte Facebook WhatsApp?

Nun darf man spekulieren, wie sehr Facebook diesen Schachzug brauchte. Offensichtlich war er wichtig. Die oft zitierten Zahlen zu Benutzerzahlen von Facebook (aus dem Werbeanzeigenmanager) sind stark geschönt. Seit Längerem wird sehr stark (nach oben) gerundet.

Facebook selbst hat genauere Daten über die weitherum gefühlte “Facebook-Müdigkeit”. Böse Zungen vermuten (vielleicht übertrieben) in dem Kauf eine Verzweiflungstat.

Andererseits hat Mark Zuckerberg erwähnt, dass WhatsApp die einzige App sein soll mit einer höheren Interaktionsrate als Facebook selbst. Das Leben vieler wird per WhatsApp organisiert, nicht Facebook (da lässt man nachher Revue passieren).

Facebook ist im Dauerkampf

Fakt ist: Soziale Netzwerk sind nicht auf ewig da. Sie leben von Inhalten der Nutzer (nicht nur von einer grossen Zahl). Macht sich Müdigkeit breit, kann es schnell gehen. Oft schon erlebt (Friendster, MySpace, Orkut, StudiVZ…). Facebook ist im dauerhaften Kampf gegen solche Strömungen – eine Herausforderung. Facebook hat bei Weitem nicht den Stellenwert wie E-Mail.

Da steckt einiges mehr dahinter, als die geschwollenen Worte von Mark Zuckerberg zum Thema Weltfrieden durchscheinen lassen. Das scheint offensichtlich.

Our mission is to make the world more open and connected. We do this by building services that help people share any type of content with any group of people they want. WhatsApp will help us do this by continuing to develop a service that people around the world love to use every day.

Wir können gespannt sein. Mit der kürzlichen Lancierung der “Paper” App, hat Facebook bewiesen, dass sie positiv zu überraschen vermögen.

Werden Nutzer abspringen?

Eher weniger als von Facebook selbst. Das Ding ist: Treffen und direkter Austausch in Gruppen findet auf WhatsApp statt. Facebook ist für die Erinnerungen danach. Wenn nun die eigene Clique weiterhin mit WhatsApp kommuniziert, wird es für Einzelpersonen schwer, sich ganz davon zu lösen.

Dabei gäbe es bessere, sicherere Alternativen. Wie zum Beispiel swiss-made Threema (CHF2 sollte das Wert sein – aber man muss Freunde dorthin mitbringen). Aber WhatsApp hat die kritische Masse und sehr aktive Gruppenchats.

Es bräuchte also Gruppenbewegungen hin zu anderen Apps. Threema kann zum Beispiel auch Gruppenchats.

Ein paar interessante Fakten

Interessant: WhatsApp hat 32 Angestellte – Facebook lässt sich die über $500’000’000 kosten pro Stück – und hatte bisher keine Marketing-Ausgaben, um auf 450 Millionen Nutzer zu kommen.

Zum Schluss ein visueller Vergleich:

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