Updates zuunterst beachten: die Viralität des Videos war mit Geld angestossen worden.

YouTube Schweiz
Ich beobachte die YouTube-Kanäle von Schweizer Unternehmen aus sicherem Abstand. In den letzten Tagen ist Swisscom sehr stark aufgefallen. Mit einem kleinen Video hat das Unternehmen weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt.

Am 24. Mai hochgeladen, hat das Video heute schon über 2,6 Millionen Views.

Gewinne ein Samsung Galaxy S4

Es geht darum, dass man im Zürcher Hauptbahnhof ein Samsung Galaxy S4 gewinnen konnte. Wie? Indem man es schaffte, 60 Minuten lang in das Smartphone zu starren. Schaut man uns mal an, würde man meinen, die Aufgabe sei simpelleicht. We know how to stare at phones. Das Team rund um die Aktion hat sich aber ins Zeug gelegt, um den Gewinn zu verhindern.

(meiner Meinung nach sind die Szenen gestellt – trotzdem wirkt es wie aus einer versteckten Kamera, Hut ab für die Agentur Heimat Berlin!)

Erfolg in YouTube: Nicht nur Views

Aber nicht nur die Anzahl Views zählen in YouTube. Vielmehr geht es auch um einen nachhaltigen Aufbau von Zuschauern. In YouTube kann man Kanäle abonnieren. Zum Beispiel den Kanal der Swisscom. Man erhält dann so eine Info über neue Videos der Swisscom. So sieht die aktuelle Kurve bei der Swisscom aus (Abonnenten):

Swisscom Grafik Abonnenten YouTube
Grafik: SocialBakers (Link zu aktueller Grafik)

Swisscom hat also die Anzahl Abonnenten von 1200 auf 2700 mehr als verdoppelt. Ob die neuen Abonnenten wirklich an neuen Inhalten von Swisscom interessiert sind, ist eine andere Frage. Ich bin neuer Abonnent geworden durch diese Aktion. Bin aber sicherlich kein Normalbeispiel.

Viewmässig rückt Swisscom in die Top 10 der Schweiz

Obwohl Views nicht viel sagen – gerade auch, wenn die meisten im Ausland entstehen – eine hübsche kleine Tatsache: Swisscom ist neu in den Top 10 der Schweizer YouTube-Kanäle. Mit ihren 1,2 Millionen Views waren sie vorher auf Platz 24 in der Schweiz. Jetzt mit 3,6 Millionen Views auf Platz 10. Ich gehe davon aus, dass der virale Effekt noch eine Weile dauert. Ihr könnt die aktuelle Position des Vortages in dieser Liste bei SocialBakers einsehen.

Und? Bringt das etwas?

Für Samsung bringt es sicher etwas. Und für die Agentur.

Da das Video stark co-gebrandet ist, gehe ich davon aus, dass Samsung mitgeholfen hat. Es wird ja auch konkret die Blickerkennung des Smartphones vorgeführt. Wenn Swisscom meine Annahmen korrigieren würde, wäre ich dankbar. Zum Beispiel in den Kommentaren unten.

Swisscom hat mir in Twitter geantwortet, dass der virale Erfolg für sie überraschend gross ausgefallen ist. Man hat sicherlich darauf gehofft – in die virale Richtung zielt das Video.

Für Swisscom bringen ein paar Millionen Views im Ausland nicht direkt mehr Umsatz. Aber, verstärkt durch Berichte in ausländischen Medien, kriegen wir in der Schweiz so vielleicht erst überhaupt etwas davon mit. Zum Beispiel wäre dieser Artikel nicht geschrieben worden, wenn das Video nach 2000 Views im Nirvana gelandet wäre.

Die Viralität im Ausland verstärkt die Wirkung daheim. Mehrere Blogs, die ich abonniert habe, erwähnten die Aktion von Swisscom. Zum Beispiel dieser Artikel in Business Insider mit 530 Facebook-Empfehlungen, 230 Tweets, 100 LinkedIn-Empfehlungen und 60 Google +1.

YouTube kostet nichts – eine so grosse Reichweite führt zu keinen zusätzlichen Kosten.

Update 1: 3. Juni 2013

Swisscom hat Platz 10 der “YouTube-Charts” der Schweiz erreicht. Wesentliche Veränderung: das Internationale Olympische Komitee ist neu gelistet (die sind in Lausanne zuhause). Das IOC ist mit 147 Millionen Views (auf 2240 Videos) neu Platz Nummer 1.

Der virale Schwung lässt bei Swisscom nun etwas nach – wenn kein neuer Virus losgeht, wird noch eine Weile dauern, bis “Graubünden Ferien” (Platz 9, fast 5 Millionen Views) überholt wird. Die Grafik zeigt die abflachende Kurve (Swisscom):
Swisscom YouTube Statistik

Wie gesagt: die reine Anzahl Views ist keine direkt businessrelevante Kennzahl. Trotzdem ist es spannend, diese Entwicklung zu beobachten. Das Video hätte auch von einem Schweizer KMU produziert werden können (theoretisch, und nicht 1:1) – YouTube steht allen kostenlos zur Verfügung, man muss es “nur” kreativ nutzen.

Update 2: 3. Juni 2013 – Viralität mit Geld unterstützt

In den Diskussionen zu diesem Artikel kam heraus: für die Verbreitung des Videos wurde Geld eingesetzt. Das ändert die Geschichte etwas.

An sich nicht verwerflich: man bot Bloggern Geld für die Einbettung des Videos in ihren Blogs an. Bei grösseren Blogs scheinbar Fixbeträge, bei kleineren Blogs CHF 0.10 pro “View je Klick”. Zum Beispiel wurde dafür die Video-Vermarktungsplattform eBuzzing eingesetzt. Die Kampagne ist beendet, weil man scheinbar genug teilnehmende Blogs fand. Es ist mir nicht bekannt, ob auch weitere Plattformen zum Zug kamen.

Neue Kampagne All eyes on the S4 verfügbar: 0.10/View je Klick

Das heisst: einen solchen “Hit” als KMU zu erreichen, wäre wohl einiges schwerer.

Update 3: 17. Juni 2013 – Platz 8, Graubünden Tourismus überholt

Obwohl die Dynamik des Videos nun praktisch komplett abgeklungen ist, hat Swisscom nun dank regelmässiger Aktivität in YouTube den (nicht an das neue Design angepasste) Kanal von Graubünden Tourismus vom 8. Platz der CH-YouTube-Charts gestossen. Swisscom hat nun knapp über 5 Millionen Views.
Swisscom Platz 8 vor Graubünden