Soziale Netzwerke in der Schweiz – welche sind die Wichtigsten? Oft werde ich das gefragt. Und rede darüber in Kursen.

Die Antwort ist etwas komplizierter als diese Übersicht – denn für jede Branche ist ein anderes Netzwerk zentral wichtig. Auf die reinen Benutzerzahlen kommt es dann nicht an. Hier jedoch eine Übersicht der Nutzung in der Schweiz.

Update Sept. 2017

Soziale Netzwerke in der Schweiz – nach aktiven Nutzern

  1. WhatsApp6.4 Mio. (hochgerechnet aus der xeit.ch-Social-Media-Umfrage 2017, mit Vorsicht zu geniessen)
  2. YouTube2.6 Mio. Unique Users nur auf Desktop (nicht mobile!) (Quelle: Webrepublic-Studie 2016).
    3.8 Mio. monatliche User (Mitte 2015, Quelle) – diese Zahl dürfte sich nochmals gesteigert haben, da die Nutzung von mobilen Geräten seither zugenommen hat. Ich schätze die Zahl der YouTube-User auf rund 5 Millionen.
  3. Facebook.com3.7 Mio. (Quelle: Facebook Werbeanzeigenmanager; aktive Nutzer, nicht Unique Visitors)
  4. LinkedIn2.2 Mio. (Quelle: LinkedIn)
  5. Instagram1.8 Mio. (Quelle: Facebook Werbeanzeigenmanager)
  6. Google+1.25 Mio. monatlich aktive Nutzer (2015, Quelle) – wahrscheinlich heute einiges weniger
  7. Xing900’000 (Quelle: Xing)
  8. Twitter700’000 (Marketing.ch, 2015)
    150’000 (Forschungsinstitut gfs, 2016)
    Die Realität ist schwer abzuschätzen. Es gibt einige Schweiz-spezifische Twitter-Accounts mit Hunderttausenden von Followern. Ich habe hier eine Liste erstellt – alles nur gekauft? Wenn Viktor Giacobbo 185’000 Follower hat, wird die Schweiz mehrere Hunderttausend Twitter-Nutzer haben.
  9. Snapchat300’000 (Schätzung 2016, Quelle: Tinkla), grosse Unterschiede je nach Altersgruppe
  10. Pinterest250’000 (2015, Quelle)

Alles bleibt in Bewegung

Die Zahlen haben sich seit meiner ersten solchen Liste von 2012 extrem verändert.

Google+ hat seinen Höhenflug nicht halten können und ist heute praktisch bedeutungslos (neuere Benutzerzahlen gibt es jedoch nicht). Man hat das Gefühl, dass Google selbst (wieder mal) die Lust an einem Projekt verloren hat. Einige Unternehmen nutzen Google+ noch aus Suchmaschinenoptimierungszwecken, was natürlich Humbug und somit Zeitverschwendung ist (man glaubt in diesem Bereich gerne vielen Gerüchten, siehe dazu mein Artikel “Pole-Position bei Google – wie geht das?”).

Flickr (gehört Yahoo!) hat auf der Foto-Bühne gegen Instagram verloren, das heute zu Facebook gehört. Flickr eignet sich primär für die Verwaltung von Fotos in Alben etc., zum Beispiel in einem Presse-Bereich. Viel “organische” Aufmerksamkeit sollte man dort nicht erwarten.

Die Netzwerke Stayfriends, Myspace, Students etc. sind gegenüber von Facebook ebenfalls bedeutungslos geworden.

Xing und LinkedIn haben ihre Benutzerzahlen seit meiner ersten Liste 2012 vervielfacht, wobei LinkedIn mittlerweile viel interessanter ist (siehe Blogeintrag “LinkedIn vs. Xing in der Schweiz”). Und Snapchat ist neu dazugekommen.

Die Situation im Social Web verändert sich konstant – stay tuned mit dem Social Media Insider Letter.

Welche sind denn nun wirklich wichtig?

It depends. Es kommt drauf an.

Wichtig ist ein Netzwerk erst dann, wenn man das Know-How und die Kapazität hat, den Einsatz darin wirklich längerfristig zu pflegen. Diese Plattformen bauen auf Aktualitäten auf. Das heisst, es ist immer das sichtbar, was jetzt gerade läuft.

Veröffentlicht man nichts, ist man auch mit dem schönsten Profil unsichtbar. (Lies doch dazu meine 13 Tipps, um Facebook geschäftlich zu nutzen.)

In den meisten Branchen nimmt beispielsweise Video einen immer höheren Stellenwert ein. Doch Inhalte sind gefragt. Einen leeren YouTube-Account zu eröffnen bringt deshalb genau so wenig, wie die Eröffnung einer Facebook-Fanseite ohne Inhalte und Integration in der bestehenden Website.

Visuelle Branchen wie Tourismus etc

In “visuellen” Branchen wie Tourismus, Architektur, Design oder Mode sind visuelle Plattformen wie Pinterest oder Instagram relevant. Dabei boomen die beiden genannten, Flickr liegt (zusammen mit seiner Mutter, Yahoo!) im Sterben.

Instagram hat sich mittlerweile in solchen Branchen etabliert – die Werbemöglichkeiten auf der Plattform (die zu Facebook gehört) sind recht umfangreich: Arbeiten mit genauen Zielgruppen, Custom Website Audiences, Lookalike Audiences ist jetzt möglich. (Blogeintrag “Nutzt du Facebook-Zielgruppen bisher falsch?”)

Komplexere Produkte (oder B2B)

In Branchen mit komplexeren Produkten – wie Sportgeräte, Maschinen, Software, Werkzeuge, Gadgets etc. – wird Video (z.B. auf YouTube) wichtig für Produktvorstellungen, Anleitungen, Vergleiche. Man überbrückt somit eine grosse Hürde und geht hin zum interessierten, potentiellen Kunden. Und das schon während seiner Evaluationsphase, dann, wenn es wirklich drauf an kommt.

Erstaunlich: YouTube ist die zweitgrösste Suchmaschine. Unser Hirn verarbeitet Visuelles 60’000 Mal schneller als Text. Video ist skalierbar – orts- und zeitunabhängig. Firmen tun also gut darin, KnowHow im Bereich Video aufzubauen, zum Beispiel mit den 9 Tipps für bessere Videos von meiner Frau Judith Steiner (oder für Ambitionierte: mit einem firmeninternen Videokurs).

Interaktives Live-Video

Generell gilt: Video kommt und kommt. Das zeigt sich sehr eindrücklich auf Facebook, das Videos wie blöd pusht. Auch Live-Video boomt: Facebook Live und Periscope beispielsweise. Instagram und Twitter haben diese Funktion auch gerade ausgerollt und auch bei YouTube kann man Livestreams senden.

Eine logische Entwicklung. Interaktives Live-Video ist nicht mehr so weit weg von direkter 1:1-Begegnung. Nur ortsunabhängig. Warum KMU davon profitieren sollten.

LinkedIn und Xing in Büro-Branchen

Businessplattformen wie LinkedIn und Xing sind eher in “Büro-Branchen” wichtig, nicht so sehr in handwerklichen, manuellen Berufen. In diesen Netzwerken geht’s stark um “Employer Branding” und “Personal Branding”.

LinkedIn hat Xing mittlerweile überholt und wird interessant. Interaktionsraten sind auf LinkedIn um ein Vielfaches höher, als bei Xing, was auf eine viel stärkere Nutzung hinweist. Aufmerksamkeitspotential wird nicht nur durch die Anzahl Nutzer bestimmt, sondern auch durch die durchschnittliche Nutzungsdauer.

LinkedIn kann man zudem viel besser als Xing als Bestandteil eine Online-Marketing-Funnels nutzen – LinkedIn kennt zum Beispiel Website-Zielgruppen. Man kann also Retargeting einsetzen.

Xing ist auf dem Sinkflug. Schaut man genau hin – beispielsweise in Xing-Gruppen – sieht man vor allem viel Spam, und die View-Zahlen sind tief (siehe Bild).

Weitere Quellen und Statistiken

Interssant ist die Social-Media-Studie der Schweizer Agentur xeit. Die wichtigsten Resultate von 2017: Die grossen Aufsteiger seit letztem Jahr sind Instagram, Snapchat und YouTube. Messenger (WhatsApp und Facebook Messenger) sind stark auf dem Vormarsch. Das vielfach (auch von mir) totgesagte Google+ hält sich hartnäckig. Am meisten genutzt werden laut der xeit-Umfrage YouTube und Facebook. Am wenigsten Twitter, Pinterest und Snapchat (letzteres nur bei den über 19-Jährigen – bei den jüngeren ist es top, dazu auch dieses Interview). Quelle

Marketing.ch hat verschiedene Statistiken zur Social-Media-Nutzung in der Schweiz online, die in einem PDF zusammengefasst sind. Darin steht u.a., dass in Sachen Marktanteil Pinterest seit letztem Jahr zugelegt hat, während Facebook Marktanteil verloren hat.

Auch von Ey gibt es eine Social Media-Studie. Demnach nutzen rund 70% der Schweizer Bevölkerung täglich WhatsApp, knapp 60% Facebook. Es folgen Google+ (erstaunlicherweise!), Instagram, LinkedIn und Snapchat.

Online-Strategie muss passen

Was wie gut passt, muss man während der Entwicklung der Online-Strategie genau anschauen. Alles blind einkaufen und sich zu dünn verteilen, das bringt verständlicherweise wenig. Ich empfehle auch, meinen Social Media Insider Letter zu abonnieren, für regelmässige Tipps und Tricks.

Kurs: Social Media für Unternehmen

Um Unternehmen darin zu unterstützen, die heutigen Chancen des Webs – auch von Social Media – zu nutzen, führe ich regelmässig in Zürich Social Media-Kurse durch. Mehr Informationen zu diesen Kursen gibt es hinter diesem Link: Social Media-Kurse in Zürich.

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