Periscope betrifft dich.

Nicht, weil alle irgendwann mal diese App haben werden – weil es meiner Meinung nach ein Schritt weiter geht, als bisherige Systeme. Wieder ein Schritt in Richtung natürlicherer Kommunikation mit Dialekt und Mimik (leider eher One-Way).

Was ist Periscope?

Periscope ist eine kostenlose App, die im April lanciert wurde. Die App ermöglicht es, von irgendwo ein Live-Video ins Web zu senden und Menschen auf der ganzen Welt verfügbar zu machen. Sie gehört zu Twitter, kann aber auch ohne Twitter-Account benutzt werden. Die App wurde im April lanciert – entsprechend ist sie noch in den Kinderschuhen und erhält regelmässig neue Funktionen.

Neue Periscope-Funktionen in Vorbereitung

Aus dem Umfeld von Periscope selbst hört man von Neuerungen, die bald kommen werden (schon im Test sind):

  • Breitformat (die Welt ist halt trotz Smartphone breitformatig)
  • Interview-Funktion (Leute in den Stream einladen und wieder ausladen)
  • API für Statistiken

(Liste werde ich laufend aktualisieren, es bewegt sich einiges)

Periscope-Live-Screen

Periscope-Funktionen

1 – Öffentlicher Live-Stream

Die Hauptfunktion: man sendet Live-Video an seine Follower und an die ganze Welt. Momentan läuft das so: man verwendet ein Smartphone und filmt. Dabei kann man zwischen Front- und Rück-Kamera hin-und-her schalten.

2 – Privater Stream

Dasselbe wie die öffentliche Funktion. Nur hier wähle ich bestimmte andere Periscope-Nutzer, die das Live-Video sehen sollen. Andere Leute sehen es nicht.

3 – Funktionen für Zuschauer

Zuschauer können Kommentare schreiben, einander antworten und mit Tippen auf das Video “liken”. Bei Periscope gibt es dabei Herzen und man kann mehrmals “herzen”.

Die Gesamtzahl Herzen, die ein Periscoper bisher gekriegt hat, wird prominent in seinem Profil angezeigt. Hat jemand also deutlich mehr als eine “1”, ist es jemand, der/die mindestens ab und zu mal sendet.

4 – Teilen

Zuschauer können Periscope-Livestreams (“Scopes” genannt) mit ihren Followern auf Periscope teilen. Oder aber sehr einfach tweeten. Es gibt zudem die Möglichkeit, ein Link zum Scope zu kopieren, das man überall einsetzen kann.

5 – Web-Stream

Für Leute, die nicht auf dem Smartphone sind, steht eine Browser-Variante zur Verfügung. Darin kann nicht interagiert werden (Kommentare, Herzen etc).

6 – Replay – als Video speicherbar

Automatisch steht ein Replay des Live-Streams für 24 Stunden zur Verfügung. Der Ersteller kann aber auch entscheiden, das Replay zu entfernen.

Der Ersteller kann am Ende des Streams auch entscheiden, das Replay als Video in seinem Smartphone zu speichern – beispielsweise, um es danach auf YouTube hochzuladen für längere Haltbarkeit. Man kann die App auch so einstellen, dass jedes Scope automatisch gespeichert wird.

7 – Periscope-Buddy

Unten rechts wird während der Live-Übertragung ein Männchen eingeblendet, das anzeigt, wieviele Menschen gerade zuschauen. Klick darauf und man kriegt die Teilen-Funktionen und sieht auch eine Liste der Zuschauer (kann sie followen etc).

Periscope-Tipps

Ich habe einige Periscopes geschaut, eigene Tests auf verschiedenen Accounts gewagt. Wie immer: die Lernkurve ist steil. Jeden Tag lernt man Neues dazu – entsprechend werde ich diesen Artikel auch immer wieder ergänzen mit neuen Funktionen, Tipps usw.

Wichtig: ich halte wenig von den Ewig-Zuschauern, die überall kommentieren, was andere besser machen müssten – und selbst keine Praxis vorweisen können. Viel lieber habe ich die Potpourri-Scoper, die sich nach draussen wagen, etwas kreieren und dabei Praxiswissen aufbauen. Drum – erste Regel: tu es!

Einige Tipps sind eher Aufmerksamkeits-Hacks. Da muss jeder entscheiden, wie weit man gehen will und wann es spammig wird. Ihr behaltet schön das Köpfchen bei der Sache – wie immer.

  1. Thema überlegen – mir hilft es enorm. Bin nicht der “Schwatz mal einfach drauf los Typ” – habe es natürlich versucht, wird nicht spannend. Ausser vielleicht ein spontaner Scope in einer besonderen Umgebung.
  2. Langer Titel = grösseres Vorschaubild im Stream (Hack)
  3. Emojis im Titel = mehr Aufmerksamkeit (Hack)
  4. Zeiten – wann sind deine Zuschauer online? Bei englischsprachig ist 24:00 CET gut. Deutsch wird früher sein. Da hab ich natürlich noch nicht alles testen können.
  5. Auffordern zum Interagieren – Fragen stellen, Dialog suchen.
  6. Twitter als Zweitplattform dazu nehmen – zB Reagieren auf Twitter, Fragen nach dem Scope auf Twitter beantworten etc.
  7. Das erste Bild (Frame) des Scopes ist die Vorschau – zB ein Flyer mit dem Titel machen
  8. Erstes Bild eher dunkel halten – der Titel erscheint in weiss darüber in der App
  9. Stativ verwenden, wenn möglich
  10. Mikrofon wie zB RODE SmartLav kann den Ton verbessern
  11. PowerPack dabei haben – Periscope frisst viel Strom
  12. Doppelklick während der Übertragung wechselt die Kamera
  13. Sich bei anderen Scopes beteiligen
  14. Switchen zwischen verschiedenen Accounts ist – via logout/login – sehr einfach möglich (wenn sie als eigene Twitter-Accounts im Smartphone erfasst sind)
  15. Zuschauer dazu auffordern, den Scope zu teilen, wenn sie ihn gut finden
  16. Sofort anfangen – nicht erst bei den ersten Live-Zuschauern. Sonst ist der Scope langweilig für die Replay-Zuschauer.

Schlussendlich sind wir wieder beim Grundsatz 1 im Content Marketing: Mehrwert, Mehrwert, Mehrwert.

Wie gesagt: Periscope steht noch ganz am Anfang. Viele tun sich – besonders im D-A-CH-Raum – schwer damit, mit Live-Streaming anzufangen. Mein Tipp: testen, testen. Es muss nicht perfekt sein – und ohne Übung wird es auch nie perfekt.

Ideen für den Periscope-Einsatz

Mit den Feedbacks zu meinen Scopes für Visit Rapperswil oder dem Blechschilder-Shop (und meine eigenen), haben sich einige Ansätze herauskristalliesiert. Auch aus Inspiration aus den USA (wie so oft).

  1. Schnitzeljagd – jemand löst eine Aufgabe in einem Scope und gibt danach den Ball weiter (und teilt dann den neuen Scope des Nachfogers mit seinen Followern, damit sie von Scope zu Scope mitkommen) – würde ich gerne mal in der Schweiz machen
  2. Produkt verstecken in einem Raum – der erste, der das Produkt erkennt und die Artikelnummer dazu im Shop findet, gewinnt das Produkt
  3. Vorstellungsrunden – Follower dazu auffordern, den Scope zu teilen und sich dann in den Kommentaren vorzustellen – und auffordern, einander zu folgen, wo passend
  4. Webinare in Periscope (habe heute zB mit Whiteboard gescopet)
  5. Blick hinter die Kulissen – zB an Veranstaltungen, in Fabriken etc
  6. Just for fun & testing – das hat seinen wichtigen Platz
  7. Verlosungen via Scope – nicht zu spammig werden (zB eher nicht Teilen erfordern für Gewinnchance)
  8. Kunden sollen über ihre gekauften Produkte scopen – die Hürde ist recht hoch
  9. Top 3 Produkte des Monats in Periscope vorstellen

Das sind ein paar kleine Beispiele. Natürlich sind die Möglichkeiten unbegrenzt und es kommen schon ganz interessante Einsatzweisen auf (hauptsächlich in den USA). Es lohnt sich also, am Ball zu bleiben und etwas über den DACH-Tellerrand hinweg zu sehen. Denn hierzulande geht noch praktisch nichts.

Ich habe zum Beispiel für Visit Rapperswil aus einem Helikopter ein Live-Stream in Periscope gesendet. Funktionierte prima. Hatte Angst gehabt, dass die Metallkiste das verhindert. 133 Zuschauer waren live dabei und haben so aus der Luft die Region Rapperswil kennen gelernt (und ich hatte Spass).

Würde mich freuen, wenn du nun Periscope installieren würdest und mir dort (nach “samsteiner” suchen) folgen würdest.