Viele haben es mitgekriegt: die Entrüstung über schlimm dekorierte Läden und Weihnachtsartikel-Verkauf im Oktober hat sich dieses Jahr im Social Web entladen. Das Los gezogen hat die Migros. Ihre Reichweite in Facebook verzehnfachte sich durch den Protest. Auf ihrer Fanseite ging ein rauhes Lüftchen.

(mit diesem Post von Susan Gasser hat das Ganze angefangen)

Natürlich ist die Nachfrage für entsprechende Weihnachtsartikel schon im Oktober da. Sonst würde das die Migros nicht machen. Migros-Fans schlussendlich kaufen diese Produkte im Oktober. Ich muss das nicht verstehen.

Natürlich produziert eine solche Protestaktion auf der Migros-Fanseite auch auf Seiten der Migros einiges an Arbeit. Es kostet der Migros also ein Bisschen was, nicht nur 1,3t Guetzli.

Meine Meinung: Günstig für einen grösseren PR-Stunt, das von den Medien aufgenommen wird :)

Grosser Nutzen – wenn man nicht “Perfect PR” denkt

Besser hätte es meiner Meinung nach für die Migros nicht laufen können. Ihre Reaktion (1,3 Tonnen Guezli an Kinderheime senden) hat wiederum Emotionen hochgehen lassen – perfekt. Um Emotionen geht’s schliesslich im Social Web – zumindest in Facebook – nicht darum, dass Unternehmen irgend einen fehlerfreien PR-Glanz hochhalten. Das ist kurz und spitz gefasst. Migros hat aber gezeigt, dass man umgehen kann mit kritischen Reaktionen im Web. Und nie alle zufrieden stellen kann. Das ist auch OK.

Es wurde viel – auch in Deutschland – geschrieben über das Stürmli. Ich wiederhole da all die “Learnings” und “Facebook-Dos” nicht. Aus diesem Fall Regeln ableiten zu wollen nimmt immer den Charakter aus dem Community Management Team raus.

Es geht mir hier um den schönen Nebeneffekt – wenn man verstanden hat, dass auch kritisches Engagement (bei einer entsprechend social-web-reifen Firma) ein grosser Nutzen sein kann.

Reichweite in Facebook der Migros

Schaut man die Anzahl “Personen, die darüber sprechen” (PDDS) auf der Migros Fanseite an, zeigt sich das Stürmchen recht deutlich.

Aus Erfahrung mit anderen Fanseiten schätze ich, dass die Reichweite (Facebook meint damit Menschen, die Botschaften der Fanseite gesehen haben), ca. 10x höher liegt als der PDDS-Wert. Das deckt sich ungefähr auch mit der 90-9-1-Regel.

Bei Migros also liegt die Rechweite während der Guetzli-Aktion bei ungefähr 350’000. Mitte September lag diese Reichweite bei 30’000 Personen. Mehr als eine Verzehnfachung.

Facebook hat die Sichtbarkeit von Firmen in letzter Zeit Gerüchten zufolge etwas massiv verkleinert. Also geschraubt an der EdgeRank-Formel. Man beobachtet eine Reduktion der Reichweite von um die 50% bei gleichbleibender Interaktionsrate. Umso wichtiger wird es für Unternehmen, hohe Engagement-Raten zu haben. Nur so werden sie überhaupt noch sichtbar bleiben.

Die Migros ist in Normalbetrieb ihrer Fanseite nicht unbedingt ein Vorreiter/Vorbild. Engagement eher gering. Um wirklich sichtbar zu sein – dazu zählt für mich auch die Sichbarkeit in kritischen Auseinandersetzungen positiv – sind solche Firmen auf engagierte Fans angewiesen. Idealerweise folgen nun 20 solcher Stürme bis Ende Jahr.

Und wo ist Coop? Beim Osterhasen stecken geblieben? ;)