LinkedIn hat mittlerweile ganz klar die Nase vorne in Bezug auf Suchanfragen. Schon vor längerer Zeit hat LinkedIn in der Schweiz Xing überholt was die Anzahl Nutzer betrifft. Dieser Trend setzt sich weiter fort.

Überrascht dich das? Liegt es auf der Hand in einer zunehmend global vernetzten Welt? Xing ist sehr deutschsprachig. Leider auch mit einer Mentalität von hier.

Umfrage zur Nutzung von Xing und LinkedIn (DACH-Raum)

Ich mache ab und zu wieder ein Check mittels einer Umfrage. Dazu verwende ich die Umfragefunktion von Twitter – mein Netzwerk ist primär im DACH-Raum zuhause.

Aktuellstes Resultat ist nun von August 2017. Über 1000 Personen haben mitgemacht. Es zeigt im Vergleich zur Umfrage von Oktober 2016, dass die Nutzung von Xing abnimmt, während die Nutzung von LinkedIn etwas zunimmt.

Meiner Meinung nach könnte sich das stark verstärken, weil die Interaktionsraten auf LinkedIn (das “Leben”) um ein Vielfaches höher sind – LinkedIn ist inhaltlich eine viel interessantere Plattform und das werden die Nutzer zunehmend merken. Mehr dazu weiter unten.

2017: Xing nur noch im Thurgau vorne

Nur noch im Kanton Thurgau ist mehr Interesse an Xing, als an LinkedIn vorhanden

Xing im Thurgau vorne, sonst überall LinkedIn

Xing: magere Kundenorientiertheit

Bei Xing kommt eine dürftige Kundenorientiertheit rüber. Man wird gedrängt, seinen Premium-Account beizubehalten und mit Mahnungen belästigt, wenn man den fies versteckten Weg nicht gefunden hat, sich da rauszunehmen. Sowas kann man sich bei erfolgreichen Online-Diensten (aus dem englischsprachigen Raum) nicht vorstellen.

Hast du schon versucht, dein Premium-Abo abzustellen? Hast du die “freundlichen” E-Mails erhalten mit Premium-Drohungen? Not nice. Leider ist das typisch für den deutschsprachigen Raum. Meiner Meinung nach sehr altes Denken.

Xing-Gruppen: tot oder Spam

Wer in die Xing-Gruppen rein schaut, merkt bald: in den meisten Gruppen wird fast nur Spam gepostet und niemand schaut rein. Es gibt einen Zähler der Views bei jedem Beitrag. Die Zahl ist jeweils ernüchternd tief. Es gibt gut laufende Gruppen, die vor allem in den Offline-Events leben – und eben noch grössere Ziele für Spammer sind.

Dazu kommen die diskriminierenden Preiserhöhungen für Schweizer Benutzer – bekannt mit Hashtag #xingfail.

Update 2017: Xing treibt es munter weiter. Sie nehmen weitere Funktionen aus der Basis-Mitgliedschaft und stellen sie nur den zahlenden Nutzern zur Verfügung. Wer ein “Freemium”-Modell betreiben will, muss aufpassen, dass der “Free”-Teil nicht gänzlich abgewürgt wird. Wäre LinkedIn wach, hätte Xing wohl bald grössere Probleme.

LinkedIn wird wirklich benutzt

Derzeit hat Xing die Nase vorn in Bezug auf Offline-Events in der Deutschschweiz. Fragt sich nur, wann Ambassadoren und andere Event-Veranstalter vermehrt anfangen, LinkedIn auszuloten.

Von Feedback her merke ich, wie LinkedIn (wenn man es auch regelmässig benutzt bzw Dinge drin veröffentlicht) wirklich gesehen wird. Bei Xing fehlt eine von bekannten Diensten (wie Buffer, IFTTT usw) eingesetzte API. Gefühlt melden sich “Young Professionals” eher direkt bei LinkedIn an, als bei Xing (wo eher die Alten hocken – meine Wahrnehmung).

Wie gefällt dir LinkedIn im Vergleich zu Xing – in deiner Gunst auch schon die Nase vorn? Viele Leute stören sich am unaufgeräumten Design.

Interesse an LinkedIn übersteigt Interesse an Xing in der Schweiz deutlich
Grafik: Google Trends. Suchanfragen in der Schweiz für die Begriffe “linkedin” und “xing”.

Mitglieder von LinkedIn oder Xing in der Schweiz

Update 2017: LinkedIn hat mehr als doppelt so viele Mitglieder wie Xing in der Schweiz.

LinkedIn: Mitglieder in der Schweiz

Laut dem Ad Planner von LinkedIn gibt es derzeit (Anfang 2017) 2’200’000 Mitglieder aus der Schweiz. Das sind Zahlen aus dem Ad Planner und somit keine offiziellen Zahlen, die LinkedIn selbst öffentlich kommuniziert.

Xing: Mitglieder in der Schweiz

Laut einer Mitteilung der PR-Agentur von Xing, haben sie derzeit (Mitte 2017) 900’000 Mitglieder aus der Schweiz. Im Herbst 2016 haben sie neue Büros in der Schweiz bezogen – wollen also ihre Präsenz ausbauen. Sie wissen ganz genau, dass sie einen schwierigen Kampf kämpfen – viele kleine Plattformen konnten nicht richtig überleben, sobald die Grossen richtig Gas gaben.

LinkedIn steht etwas still (leider)

Man muss aber auch anmerken, dass LinkedIn jetzt schon eine Weile lang keine grossen Sprünge gemacht hat in der Schweiz (laut Google Trends). Sie haben einige Dinge aufgefrischt auf der Plattform, haben Lynda.com gekauft, wurden von Microsoft gekauft (was oft keine gute Sache ist). Auch aus Slideshare, das sie bereits 2012 gekauft hatten, haben sie nicht wirklich etwas gemacht. Irgendwie fehlen mir Innovationen komplett. Schade – ich hoffe, sie wachen etwas auf.

Der Microsoft-Schlaf

Dieses Ausruhen von LinkedIn könnte für Xing eine Chance sein.

Dafür müssten sie meiner Meinung nach daran arbeiten, gängige Schnittstellen anzubieten (für Tools wie Buffer & Co). Aber vor allem wegkommen von ihren unsäglichen, deutschsprachigen Charakter von Kundenveräppelung. Sprich: sympathisch werden – keine einfache Aufgabe. Aber möglich.

Trotzdem: beide Plattformen werden von Vielen nur als Sammlung von Visitenkarten genutzt. Visitenkarten, die sich “automatisch” aktualisieren. Und von Head-Huntern/Recruitern.

Solange das so bleibt, wird die durchschnittliche Verweildauer auf der Plattform in beiden Fällen verschwindend klein bleiben. In diesem Bereich glaube ich ebenfalls an die Möglichkeit, innovative, neue Ansätze zu bringen. Fachinhalte haben einen Wert – Xing/LinkedIn schaffen es einfach noch nicht, für genug Menschen zu einem wichtigen Anbieter davon zu werden.

Verwendet man lieber LinkedIn oder Xing in der Schweiz?

Wenn man sich für eine Plattform entscheiden muss, dann meiner Meinung nach ganz klar LinkedIn.

Ich bin jedoch eher der Meinung, dass man derzeit beide Plattformen nutzen sollten. 900’000 Mitglieder bei Xing Schweiz sind schon etwas. Es ist schon noch so, dass einige Leute nur bei Xing sind.

LinkedIn hat bessere Möglichkeiten im Bereich “Content Publishing”. Auch das Anzeigensystem ist besser (wenn auch im Vergleich zu Facebook-Anzeigen noch eher mager bestückt). Man kann zum Beispiel Remarketing-Zielgruppen aufbauen bei LinkedIn.

Mir scheint es mehr Leben auf der Plattform LinkedIn zu geben – nicht zuletzt wegen besseren Schnittstellen. Bei Xing schauen die 900’000 Mitglieder eher nur sporadisch mal vorbei – bei LinkedIn natürlich auch viel seltener, als bei Facebook, aber doch öfter als bei Xing. Warum? Die Inhalte sind interessanter.

Mein Experiment zeigt: mehr Leben auf LinkedIn

Ich habe ein Beitrag geschrieben, sowohl auf LinkedIn, wie auch auf Xing. Auf LinkedIn habe ich ca. 2100 Kontakte, auf Xing 1100. Das Resultat des Experiments war überdeutlich: sehr lebendige Diskussion auf LinkedIn, kaum Reaktionen auf Xing.

LinkedIn: über 20’000 Views des Beitrags

Mich hat erstaunt, wie lebendig die Diskussion auf LinkedIn verlief. Obwohl der Beitrag in sich nicht visuell ansprechend war (kein Bild). Im Screenshot zeigt LinkedIn leider die Anzahl Kommentare nicht richtig an – es waren deutlich über 30, wie man über den Link feststellen kann.

Xing: kaum Reaktionen

Ich gehe davon aus, dass mein Beitrag in Xing maximal ein paar wenige hundert Views erreicht hat. Evtl. sogar unter 100. Verglichen mit über 20’000 des anderen Beitrags in LinkedIn ist das natürlich nichts.

Xing klammert sich an den Nutzerzahlen fest – sie wissen aber genau, dass es viel wichtiger ist, wieviel Zeit/Aufmerksamkeit die Nutzer der Plattform widmen. Und da verlieren sie hochkant gegen LinkedIn.

Es geht um Vernetzung zu Fach-Themen

Mich würde es freuen, wenn du dich mit mir auf beiden Plattformen verbinden würdest. Idealerweise mit kleiner Notiz “Blogartikel”, damit ich weiss, woher die Verbindung zustande kam. Hier meine Links: Sam Steiner LinkedIn, Sam Steiner Xing. Und wenn du an Praxiswissen zu Online-Strategie und Online-Marketing interessiert bist, trete unserer Fachgruppe auf Facebook bei!

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