LinkedIn: Ein weisses Blatt für Schweizer KMU

Eigentlich sollte hier ein ganz anderer Blogeintrag stehen.

Geplant war ein Interview mit jemandem aus der Schweiz, der LinkedIn für Content Marketing für sein Unternehmen nutzt. Oder ein Beitrag mit «best practice»-Beispielen.

Das Problem:

Es ist in diesem Bereich praktisch nichts zu finden. Über Hinweise in den Kommentaren bin ich dankbar 🙂

LinkedIn: Pioniere haben freie Fahrt

Viele Geschäftsleute brauchen LinkedIn fürs Netzwerk, um neue Angestellte oder neue Stellen zu finden. Content Marketing gibt’s zwar auch, aber die Möglichkeiten, die LinkedIn bietet, werden nicht ausgeschöpft.

Schlecht für den geplanten Blogeintrag, aber gut für Schweizer KMU: Denn LinkedIn wächst (gemäss eigenen Angaben momentan 2,2 Mio. Nutzer in der Schweiz). Und offenbar ist es ein weisses Blatt, wo es «einfach» ist, in Punkto Content Marketing eine führende Position einzunehmen.

Deswegen gebe ich dir in diesem Blogpost einige Tipps und Ideen. Bist du ganz frisch auf LinkedIn? Dann hol dir doch noch meinen PDF-Ratgeber «Die ersten Schritte mit deiner LinkedIn-Firmenseite» hier.LinkedIn erste Schritte

Eine Vorbemerkung noch:

LinkedIn ist anders als Facebook.

Obwohl es immer populärer wird und sich immer stärker facebooky gibt: LinkedIn ist zwar auch Unterhaltung, aber es bleibt auf einer Business-Ebene.

Wenn dein Angebot sich primär an eine breite Masse von Privatpersonen richtet, ist und bleibt Facebook dein Haupt-Marketing-Kanal auf Social Media. Hast du dazu mein «Facebook für Unternehmen ABC» gesehen?

Falls du jedoch Menschen ansprechen willst, die sich ebenfalls eher auf LinkedIn bewegen, oder wenn du im B2B-Bereich tätig bist, lohnt es sich, auf LinkedIn aktiv zu sein.

Doch jetzt zur Hauptsache: Wie funktioniert Content Marketing auf LinkedIn?

1. Verschiedene Inhalte fürs Content Marketing

Wenn du postest, sollte dir immer klar sein, wozu. Willst du:

  • Bekanntheit schaffen/steigern?
  • Nähe zu bestehenden Kunden schaffen?
  • Direktverkäufe tätigen?
  • Leads, also Adressen, gewinnen?

Daraus erstellst du dir deinen Redaktionsplan.

Grundsätzlich gibt es zwei Typen von Inhalt: Zur Information oder zur Leadgenerierung.

Informativer Content

Informieren heisst: Bekannter werden, Vertrauen schaffen.

Wenn du informierst, bietest du Expertenwissen an. Du beantwortest Fragen, die dir von Kunden häufig gestellt werden.

Du kannst auch Neues aus deiner Firma verbreiten, oder du kuratierst News aus deiner Branche. Beispiel:

Diese Art von Post soll den Leuten zeigen, dass du für sie Mehrwert bietest. Dass du am Puls der Themen bist, die sie interessieren. Du schaffst dir mit informativen Posts ein positives Image.

Das zweite Ziel von informativen Posts ist es, dein Google-Ranking zu verbessern.

Unternehmensseiten auf LinkedIn sind SEO-relevant, das heisst, sie werden von Suchmaschinen indexiert wie normale Websites.

Wenn Google merkt, dass du qualitativ guten Content veröffentlichst, wird dieser bei entsprechenden Sucheingaben höher oben angezeigt. («So kommt deine Website bei Google in die Pole Position»)

Das kann dir auch Ideen für Content liefern: Was wird in deinem Bereich gesucht? Welche Keywords (Schlüsselwörter) werden bei Google eingegeben, zu denen du etwas zu bieten hast?

Mit Inhalten Kontakte schaffen

Kommen wir zum zweiten Typ von Content: Inhalten, die Leads generieren, sprich: durch die du Adressen von Menschen erhältst, die an deinem Angebot interessiert sind.

Diese Art von Inhalten nennt man Lead Magnets. Wir haben drüben bei Convertable einen Artikel mit 37 konkreten Beispielen für verschiedene Lead Magnets.

Wenn du noch nicht sicher bist, wozu dir dies helfen soll, lies doch noch diesen Post: «Was ist eigentlich ein Lead?»

Lead Magnets können Ratgeber sein, Verlosungen, E-Books, Webinare…

Wichtig ist, dass du diese…

  1. attraktiv präsentierst (magnetisch, wie die Bezeichnung «Lead Magnet» schon sagt) und
  2. damit auch wirklich einen Mehrwert bietest.

Die Leute geben dir ihre Kontaktdaten. Dazu musst du sie zuerst neugierig machen und ihnen dann dafür etwas geben, was ihre Erwartungen erfüllt.

Auch mit solchen Inhalten schaffst du Vertrauen und profilierst dich als Expertin/Experten in deinem Bereich. Diese Art von Content ist insofern eine Weiterführung dessen, was ich im Abschnitt vorher beschrieben habe.

Am Anfang postest du häufiger informativen Content, damit die Leute dich unverbindlich kennen lernen und entscheiden können, ob du für sie interessant bist. Dann, mit der Zeit, streust du nützliche Lead Magnets ein.

Du solltest natürlich wissen, wozu du die E-Mail-Adressen sammelst. Sprich: Du brauchst einen Funnel und die Leute danach auch sinnvoll per Mail kontaktieren. Dazu komme ich später.

Ideen für neuen Content

Manchmal bietet sich ein Beitrag einfach an. Doch um einen Redaktionsplan zu erstellen, kannst du aktiv Ideen generieren.

Das ist ein Thema, welches einen eigenen Artikel füllen würde – deswegen hier nur ein paar Inputs.

  • Welche Fragen stellen deine Kunden? Was wollen sie wissen? (Kundendienst, Facebook-Kommentare, direkte Feedbacks…)
  • Was machen andere in deinem Bereich? Nimm ihre Posts als Anstoss und mach es besser.
  • Welche News findest du selber interessant? Gib sie deinen Followern weiter!
  • Google-Suche: Gib Schlüsselwörter ein, ohne auf Enter zu drücken – welche Kombinationen schlägt dir die Suchmaschine vor?

Hier und hier habe ich über Content-Ideen geschrieben. Da geht es zwar um Facebook, aber die Ideen und Prinzipien werden  deiner Kreativität dennoch einen Schubs geben, wenn du die Posts liest.

Optimal ist es übrigens, wenn du Content auf mehreren Plattformen nutzen kannst. Du schreibst auf deiner Firmenwebsite einen Blog und verlinkst ihn auf Facebook und LinkedIn.

2. Verschiedene Typen von Posts auf LinkedIn

[etweet]LinkedIn gibt dir verschiedene Möglichkeiten, Inhalte zu veröffentlichen.[/etweet] Die einen sind kostenlos, für andere bezahlst du als Werbung.

Gratis-Content

Beiträge auf der eigenen Seite: Das ist der Standard-Post. Entweder auf deiner persönlichen Seite, auf deiner Unternehmensseite oder auf einer «Showcase Page» für ein einzelnes Produkt.

Artikel: Anstatt eines gewöhnlichen Text- oder Bildbeitrags kannst du auch einen Artikel veröffentlichen. (Das ist nur mit deinem persönlichen Profil möglich – den du danach von deiner Firmenseite aus teilen kannst.) Wenn jemand auf den Artikel klickt, kommt er in einer Blog-Optik daher:

SlideShare: 2012 hat LinkedIn SlideShare übernommen. SlideShare ist ein Service, bei dem du PDFs und PowerPoint-Präsentationen zugänglich machen kannst. Quasi ein YouTube für Präsentationen.

Wenn du in LinkedIn auf «App» klickst, findest du den SlideShare-Button und wirst über diesen mit deinem LinkedIn-Account zur SlideShare-Website weitergeleitet. Über «Upload» kannst du deine Präsentationen veröffentlichen.

Alle drei Content-Formen sind kostenlos, du kannst sie jedoch auch bewerben und so die Reichweite erhöhen.

Bezahlter Content

Neben dem Sponsored Content bietet LinkedIn spezielle Anzeigen-Formate an.

Sponsored InMails: Damit sprichst du Leute direkt über LinkedIn-Nachrichten an. Als Ergänzung zu E-Mail-Marketing kann dies eine tolle Möglichkeit sein. Ähnlich wie die Nutzung von Facebook Messenger, über die ich hier kürzlich geschrieben habe.

TextAds: Ein kleines Bild (50×50 Pixel) plus ganz wenig Text. Die Anzeige erscheint rechts oben bei den Vorschlägen, wem du folgen solltest.

Display Ads: Das sind die Werbeanzeigen, die auch optisch als solche daherkommen. Sie sind in der rechten Spalte platziert.

Dynamic Ads: Dynamic Ads sind personalisierbar. Du kannst damit jemanden mit Namen ansprechen und ihm zum Beispiel vorschlagen, deiner Seite zu folgen.

Wichtig ist, eine Linie zu behalten

Die unterschiedlichen Formate und Möglichkeiten kannst du auch für ein- und denselben Content nutzen und diesen so breiter streuen. Ein Redaktionsplan hilft dir, regelmässig zu posten und vorauszuplanen.

Wichtig ist, dass du konsistent bist. Nutze die unterschiedlichen Formate und Möglichkeiten, aber behalte deine Linie bei. Sei dir bewusst, wer du bist und wer dein Publikum ist.

3. Zielgerichtet posten

Ein grosser Vorteil von LinkedIn gegenüber Xing sind die Zielgruppenmöglichkeiten. Du kannst sehr genau bestimmen, wen deine Inhalte ansprechen sollen.

Du kannst für jeden einzelnen Post die Zielgruppe einstellen. Kriterien können zum Beispiel sein: Branche, Region, Unternehmensgrösse etc.

Klicke dazu beim Veröffentlichen eines Beitrags auf «Einstellungen für Veröffentlichungen», dann auf «Zielgruppe». Dann erscheinen die Möglichkeiten, die du einstellen kannst.

So kannst du einen Inhalt für unterschiedliche Zielgruppen posten und jeweils im Beitragstext einen anderen Aspekt betonen, um verschiedene Leute anzusprechen.

Neil Patel spricht von «How to», «Why» und «What»-Posts. Je nachdem, wie Menschen mit dir vernetzt sind, interessiert sie ein anderer Aspekt ein- und derselben Sache.

Das gleiche funktioniert für Werbung, also bezahlte Inhalte.

Werbung auf LinkedIn ist pro Klick teurer als auf Facebook. Aber meiner Erfahrung nach gibt es höhere Conversion Rates. Vielleicht, weil die Leute mehr in Business-Stimmung sind als auf Facebook.

4. LinkedIn-Gruppen nutzen

Um Leute auf dich und dein Angebot aufmerksam zu machen, ist es sehr hilfreich, Gruppen zu nutzen.

Trete Gruppen deiner Branche/deines Themenbereichs bei, diskutiere mit, teile deine Inhalte dort. So profilierst du dich und deine Firma in eurem Bereich und du spürst, was deine Branche bewegt. In Gruppen findest du auch Ideen für neue Inhalte auf deiner Seite.

Oder du erstellst eine neue Gruppe: Was hier spannend sein könnte, habe ich in einem Artikel zu Facebook-Gruppen beschrieben. Einiges lässt sich auf LinkedIn übertragen.

In Gruppen hast du auch die Möglichkeit, Direktnachrichten an andere Gruppenmitglieder zu schicken. Dies kann, vernünftig genutzt, ebenfalls eine gute Art sein, Menschen auf dein Angebot aufmerksam zu machen.

E-Learning anbieten

LinkedIn besitzt auch ein E-Learning-Feature. Es ist einen Monat lang gratis, danach kostenpflichtig. Das könnte für dich als Anbieter spannend sein.

Hier habe ich keine eigenen Erfahrungen, da ich mit Webinars arbeite. Das ist unkomplizierter und unabhängiger als LinkedIn Learning. Vielleicht würde die Plattform aber neue Zielgruppen eröffnen.

5. Schnittstellen mit anderen Plattformen nutzen

Teilweise habe ich dies bereits erwähnt. Nutze deine Inhalte mehrmals – auf deinem Blog, dann auf Facebook, LinkedIn sowie anderen sozialen Medien.

Bild und Kurztext des Link-Posts passt du für die jeweilige Plattform an, damit nichts abgeschnitten wird und die Leute sich von einem Klick darauf auch etwas versprechen.

Mit Tools wie Buffer kannst du Content ohne viel Mehrarbeit breiter streuen. Sechs verschiedene Social Media-Plattformen haben eine Schnittstelle zu Buffer, d.h. du kannst Inhalte auf deinem Account von dort her planen. Darunter ist auch LinkedIn.

Xing ist übrigens nicht mit Buffer kombinierbar. Ein weiterer Vorteil für LinkedIn und ein weiteres Argument, warum Xing an Einfluss verliert (auch dazu höre ich gerne eine andere Perspektive in den Kommentaren!). Kürzlich habe ich denselben Post auf Xing und auf LinkedIn gepostet – auf LinkedIn erhielt er sehr viel mehr Beachtung (im Bereich von 100x mehr).

6. Vor und nach dem Posten

Eine Strategie und ein Redaktionsplan sind wichtig, um den Überblick zu behalten und vorauszuplanen.

Im Unternehmen muss mindestens eine Person aber auch dafür verantwortlich sein und Arbeitszeit dafür zur Verfügung haben.

Nach dem Posten werden deine Inhalte idealerweise geteilt und kommentiert. Jetzt beginnt die Interaktion! Du solltest deine Posts  beobachten und für Diskussionen zur Verfügung stehen. Oder auch in Gruppen aktiv Diskussionen über deine Inhalte beginnen.

Analytics: Wenn du bei Links zu deiner Website URL-Tracking-Codes verwendest, kannst du nachvollziehen, wer über welchen Weg auf deine Website kommt.

Wenn du Anzeigen geschaltet hast, überwache sie und passe sie gegebenenfalls an.

7. LinkedIn im Funnel einsetzen

Ich rede immer wieder davon, wie wichtig eine durchgängige «Brücke» von dir zum Kunden ist.

In LinkedIn lassen sich Website-basierte Zielgruppen erstellen (Leute, die die Website besucht haben; Leute, wie einen bestimmten Artikel besucht haben). Dazu installierst du den unsichtbaren LinkedIn Insight Tag auf deiner Website.

So kannst du Leute, die an deinen Themen interessiert sind, gezielt mit wertvollen, weiterführenden Inhalten bedienen.

Just do it!

LinkedIn bietet also viele Möglichkeiten für Content Marketing.

Mit diesem Blogeintrag hast du einige Stifte in die Hand gekriegt, um das «weisse Blatt», das LinkedIn unter Schweizer KMU noch ist, zu beschreiben. Leg los – experimentiere!

LinkedIn ist ein Feld, wo du mit relativ wenig Aufwand schon einen grossen Vorsprung erreichen kannst.

Ich freue mich auch, wenn du deine Erfahrungen in den Kommentaren zu diesem Post weitergibst.

Ratgeber: Die ersten Schritte mit deiner LinkedIn-Firmenseite

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