Es ist Zeit, dass kleinere Unternehmen in der Schweiz sich helfen lassen. Mich schmerzt jede Meldung über Unternehmen, die eine düstere Zukunft voraussehen – aber nichts Grundlegendes ändern wollen. Es darf doch nicht sein, dass ganze Branchen widerstandslos von den wacheren (grösseren) Unternehmen aus dem Ausland überrollt werden!

Es braucht mehr als kosmetische Änderungen am Unternehmen. Solche Dinge sprechen wir an meinen Strategie-Workshops an – immer mit dem Ziel, dass das Unternehmen weiter kommt.

Die Schweiz darf stolz sein auf die vielen kleineren Unternehmen und KMU. Diese Unternehmen sind spezialisiert drin, ihre Produkte und Dienstleistungen mit hoher Qualität zu liefern. Marketingverantwortliche haben alle Hände voll zu tun – zwischen Messeauftritten und Web-Massnahmen.

Da bleibt nicht viel Zeit, alle Möglichkeiten vertieft zu studieren. Trotzdem: neue Chancen sind da. Es ist Zeit, dass KMU sich helfen lassen.

Im Folgenden einige Fehler, die verhindert werden sollten. Konkret spart man damit Zeit und Geld.

Fehler 1: Superschöne Website

Viele KMU sehen ihre Website als Online-Broschüre. Mit dieser Einstellung übersehen sie 95% des Potentials. Schade!

In Gesprächen mit Unternehmen gehen oft Augen auf. Ich sage: lieber eine hässliche Website von 1999, die neue Leads gewinnt, potentielle Kunden durch den Kaufprozess begleitet – als eine superschnelle Website, die der “Frau des Geschäftsführers” gefällt, wie es eine Kurs-Teilnehmerin letztens formuliert hat.

Websites von 1999 sind schlimm.

Natürlich sollte eine Website zeitgemäss, schnell und mobilfreundlich sein. Sie muss aber viel mehr, als informieren und die Kontaktdaten zeigen.

Das Projekt “neue Website” muss zwingend mit gut gewählten Zielen und der Ausarbeitung einer Strategie beginnen. Es geht um viel mehr, als “endlich mobilfreundlich” zu werden und die Inhalte und Fotos aufzufrischen.

Fehler 2: Alles in eigener Hand halten wollen

Ich gebe zu, da neige ich auch dazu. Beispielsweise Google AdWords. Schöne 5-stellige Beträge hatte ich selbst auf Google AdWords eingesetzt – mit einigem Erfolg. Viel experimentiert, viel gelernt. Aber schlussendlich nicht nur Geld, sondern auch viel Zeit investiert. Die Google-Schulungen dazu besucht. Was mir dann schnell klar wurde: ich lagere den wichtigsten Teil der AdWords-Schaltungen an Leute aus, die das täglich im Handumdrehen machen und optimieren. So spare ich viel wichtige Zeit.

Gewisse Dinge gehen in die Tiefe. Man verliert, wenn man sich überall in die Tiefe bewegt. Der Blick für die Strategie geht verloren.

Fehler 3: Facebook-Seite betreiben

Viele Unternehmen haben von den Möglichkeiten von Facebook fürs Marketing gehört. Ihre Idee ist dann, eine Facebook-Seite fürs Unternehmen zu starten – und sehr viel Zeit darin zu verlochen, regelmässig Inhalte zu erstellen, um dann festzustellen, dass sie nicht mal mehr ihre eigenen “Follower” erreichen können, ohne zusätzliches Budget aufzubringen.

Facebook bietet ungeahnte Möglichkeiten. Aber nur, wenn es in eine Strategie eingebettet genutzt wird. Sonst wird Zeit und Geld damit verschwendet.

Wer sich dafür näher interessiert: ich gebe konkrete Tipps in meinen Kursen.

Facebook-Seite betreiben: ja! Aber erst, nachdem klar ist, wie und weshalb!

Fehler 4: Mangelhafte (oder fehlende) Messungen

Ich schaue auch nicht täglich in meine Website-Statistiken. Aber genug oft, dass ich ein Gefühl dafür habe, was passiert, was wie gewirkt hat. Erschreckend oft arbeite ich mit KMU, die ihre Zugangsdaten zu Google Analytics (oder Ähnliches) nicht zur Hand haben. Also praktisch nie einloggen. Ich zeige gerne in einem Workshop, auf was man achten soll. Das hängt natürlich von der gefahrenen Web-Strategie ab. Online ist alles messbar! Ohne die Messungen, wird weiter Geld in Print-Inseraten verschwendet – mangels besseren Wissens.

Gut für Zeitungsverlage – aber nicht gut für die KMU-Landschaft Schweiz.

Fehler 5: Angst davor, nahbar zu werden

Der Bereich von KMU-Websites, der am häufigsten angeklickt wird ist welcher? Genau. Die Team-Seite. Leute erwarten dort Fotos, Menschen, Nahbarkeit. Man will wissen, mit wem man telefoniert hat. Man will sehen, bei wem man sich vorstellen geht, usw. Menschen wollen Kontakt zu Menschen – nicht zu perfekten Logos. Das Mittel, das im Bereich “Vertrauensbildung” oder “Nahbarkeit” am meisten bewirken kann, ist ganz klar Video. Web-Video wird in den nächsten Jahren alle betreffen.

Es geht hier oft nicht darum, teure Hochglanz-Produktionen zu bestellen. Das denken aber viele KMU und limitieren sich immens. Ich könnte viele Beispiele aus meinem Umfeld anbringen – Video ist mächtig. Smartphone-Video bei schlechtem Licht können eine grosse Wirkung haben (natürlich suchen wir lieber gutes Licht etc). KMU, produziert regelmässig Video mit (euren) Menschen drin!

Auf der anderen Seite der Hemmschwelle ist es einfacher, gesehen zu werden.

Fehler 6: Xing-Optimierungen

In einzelnen Fällen kann Xing eine wichtige Plattform sein – nicht nur im HR/Recruiting. Aber meistens ist Xing schlichtweg Zeitverschwendung. Xing kann gut sein in vereinzelten, aktiven Gruppen – besonders kombiniert mit Offline-Networking-Events. Daran unbedingt teilnehmen. Ich habe schon viel profitiert. Auch für 1:1-Kommunikation gibt es gute Beispiele, wie es gut eingesetzt werden kann. Unternehmensseite in Xing? Ruhig vergessen – ausser es geht darum, neue Mitarbeiter zu finden.

Ähnliches gilt für LinkedIn – dort gibt es etwas mehr Möglichkeiten. Auf beiden Plattformen loggen viele Leute eher sporadisch ein, um ihre Visitenkartensammlung zu ergänzen. Natürlich kann sich das ändern – stay tuned.

Fehler 7: Weitermachen wie bisher

Das Web bewegt sich. Plattformen kommen und gehen. Zielgruppen nutzen Plattformen anders, Klickpreise verändern sich. Neue Funktionen kommen laufend dazu. Neue Strategien wirken besser und kosteneffizienter. Wer nicht regelmässig die Web-Strategie überprüft, verpasst Chancen und riskiert viel Geld und Zeit in eine Wand zu fahren.

Ich empfehle, mindestens 2x pro Jahr die Web-Strategie wieder aus der Vogelperspektive anzuschauen – mit etwas Abstand zum Alltagsstress. Wie gut hat es bisher funktioniert? Wo erkennt man aus der Praxis Optimierungspotential? Braucht es Justierung an Veränderungen im Web?

Mehr ist möglich – die Konkurrenz schläft auch/noch

Unternehmen könnten enorm vom Web profitieren. Leider hat sich in vielen Köpfen der Gedanke festgekrallt, dass nicht wirklich viel mehr machbar ist, als Leute auf der Website über das Unternehmen zu informieren und ab und zu mal was auf Facebook zu veröffentlichen.

Wake up – zu eurem Besten.