Dieser Blogpost erschien zuerst bei Judith Steiner Videoproduktion. Er wurde aktualisiert und leicht ergänzt.

Früher war es undenkbar, dass Privatpersonen eigene Videos in die ganze Welt verbreiten. Nur Fernsehstationen konnten live senden. Heute hat sich das verändert: Live-Videos sind ein Riesen-Trend. Alles, was man braucht, sind ein Smartphone und Internetempfang.

In den USA boomen Live-Videos. Sie sind auch spannend für Firmen und Geschäftsleute: Experten machen Live-Schaltungen zu Produkten und Themen und erreichen damit extrem viele Zuschauer. Während, aber auch nach der Live-Session noch. Denn das Video bleibt wenn gewünscht auf Facebook verfügbar.

Videos bringen uns Menschen näher. Live-Videos noch viel mehr.

Einsatzgebiete von Live-Streams

  • Event, Vortrag, Podiumsdiskussion
  • Experteninterview (z.B. zu Themen wie Hypotheken, Versicherungen, Marketing, Erziehung etc.)
  • Launch eines neuen Produkts, Produktevorführung
  • Unboxing, Test/Rezension zu einem neuen Produkt
  • Eigene Ideen präsentieren (mit direktem Feedback!)
  • Webinar
  • Interaktive Frage-/Antwort-Session (funktioniert nur, wenn einige Leute live einschalten)
  • Konzert, Bandprobe: Mit meiner Band Spiegelbild streamen wir regelmässig aus dem Proberaum – Video am Ende des Artikels
  • Blick hinter die Kulissen eines Unternehmens, Interview mit Mitarbeitenden
  • Regelmässige Live-Videos in einer Facebook-Gruppe
  • etc.

1. Live schafft Nähe

Kommunikation wird auch übers Internet immer unmittelbarer. YouTube ist bereits sehr direkt, da es jedem erlaubt, Videos zu verbreiten. Aber es ist vorproduziert (teilweise sehr aufwändig) und nicht zeitgleich. Live wirkt noch authentischer und weil man als Zuschauer die Gelegenheit hat, direkt dabei zu sein, auch exklusiver.

Live schafft Nähe und damit Vertrauen. Nach einem Live-Video haben die Zuschauenden das Gefühl, einen persönlich getroffen zu haben.

Umgekehrt geben Live-Videos die Gelegenheit, direktes Feedback, Fragen und Anliegen von Kunden oder Unterstützern zu erhalten.

Mit Facebook Live ist es möglich, die Zielgruppe des Livestreams zu definieren: Man kann in einer Gruppe, auf einer Seite oder einfach zu seinen Freunden streamen.

2. Es ist super-simpel, Inhalte schnell ins Netz zu bringen

Periscope war die erste App, welche das live-streamen vom Smartphone extrem einfach machte. Inzwischen ist Facebook ganz vorne mit dabei und pusht Live-Videos sogar aktiv, indem sie in den Timelines weiter oben angezeigt werden. Neu können auf Facebook auch vom Computer oder Laptop aus Live-Videos geschaltet werden. Also nicht mehr nur vom Smartphone.

YouTube verfügt über eine Live-Funktion, und auch auf Instagram und Twitter lassen sich inzwischen Videos streamen. Instagram Stories und Snapchat ermöglichen das einfache Produzieren von (fast) Live-Videos.

Eine spannende Variante, schnell Inhalte zu produzieren und direkt ins Netz zu bringen!

Je nach Einstellung sind die Videos danach noch 24 Stunden sichtbar oder bleiben online, damit man sie auch später noch anschauen kann. Facebook-Videos und YouTube-Streams lassen sich auch als Content im eigenen Blog oder auf der Website einbetten.

Bei Snapchat und Instagram kann man die Videos auch gezielt an einzelne Leute verschicken und einstellen, dass sie sich nach dem Anschauen selbst löschen.

3. Interaktive Kommunikation

Bei Live-Videos gibt es nicht einfach „Sender“ und „Empfänger“. Die Kommunikation läuft auf beide Seiten: Zuschauerinnen und Zuschauer können Kommentare schreiben oder mit Herzchen ausdrücken, dass ihnen der Stream gefällt. Ich als Produzentin sehe, wer neu dazukommt und kann die Leute begrüssen. Beide Seiten können Fragen stellen und beantworten. Das schafft neue Möglichkeiten.

Der Vergleich mit Webinars drängt sich auf. Diese Tools können zwar verglichen mit Livestreams mehr, aber sie sind fürs Publikum weniger einfach. Im Live-Video muss man sich nicht anmelden, sondern kann ganz einfach reinzappen. Jeder, der deine Seite abonniert hat, sieht im Feed, wenn du live bist.

Ein Live-Video auch ganz spontan gemacht werden, ohne Ankündigung. Je nachdem macht es aber auch Sinn (zum Beispiel bei einer Q&A-Session), das Live-Video anzukündigen. Etwa im Newsletter.

4. Roh und ungeschnitten: Es muss nicht perfekt sein

Live-Videos sind casual. Niemand hat den Anspruch, dass sie Hochglanz-Produktionen sein sollen. Ein Live-Video kann auch aus der Hand gefilmt werden, ohne Stativ, es darf Hochformat sein, es ist roh und ungeschnitten. Das trägt ebenfalls dazu bei, dass Live-Videos Nahbarkeit vermitteln.

Die Regeln sind aber die gleichen wie allgemein bei der Videoproduktion: Gibt es zu viele Umgebungsgeräusche, lohnt es sich, ein Mikrofon zu verwenden. Wenn ein Video zu verwackelt ist, schalten die Leute weg. Ein Stativ macht die Hände frei, damit man zum Beispiel etwas demonstrieren kann.

5. In der Schweiz noch viel Potenzial

Die Zeitverschiebung zu den USA bewirkt, dass weniger Leute aus Europa zu den amerikanischen Videos zuschalten. Die Konkurrenz ist also begrenzt. Hier gibt es im deutschsprachigen Raum noch viel Potenzial. Gerade weil hierzulande noch nicht viele Leute und Unternehmen Live-Videos machen, ist es möglich, vieles einfach mal frei auszuprobieren.

Zusätzliche Software für Live-Videos

Bei Facebook kann man direkt in der App auf dem iPhone den Livestream starten, ohne etwas zu installieren. Für den Livestream auf YouTube muss man zuerst eine Software installieren, zum Beispiel “Wirecast”. In der Testversion gibt es im Video ein Wasserzeichen. Mit “Airserver” kann man das iPhone auf dem MacBook spiegeln und so auch von der iPhone-Kamera aus ein YouTube-Live-Video senden.

Dann gibt es “OBS”: Diese Software ist gratis. Man kann damit sowohl Live-Videos für YouTube als auch Facebook machen. Der Vorteil einer solchen Software: Man kann mehrere Kameras benutzen und zum Beispiel auch Bauchbinden einblenden.

Top: Die Mevo Live Streaming Kamera

Ich bin ein absoluter Fan der Mevo Cam. Das ist eine Kamera, die während eines Live-Events selbständig filmt, zoomt und schneidet – quasi im Autopiloten-Modus. Wenn man will, kann man die Kamera auf dem iPhone oder iPad steuern. Sonst verwendet die Mevo Cam den Bildausschnitt, in dem gerade am meisten Bewegung geschieht.

Wie das aussieht, hier im Video: Ein Einblick in eine Bandprobe von Spiegelbild.

Merken

Merken

E-Book: "Wirksames Web für Schweizer KMU"

Aus meiner Arbeit mit Schweizer KMU habe ich diesen 12-Punkte-Plan erstellt. Ich bin überzeugt, dass KMU danke dem Web viel Zeit und Geld sparen können - während sie neue Kunden gewinnen. E-Book kostenlos herunterladen